Festansprache zum 40. Stiftungsfest im Jahre 1960

verfasst von Julius Hessler zum 40. Stiftungsfest

Der erste Weltkrieg war vorüber.
Um Neunzehnhundertzwanzig 'rum,
4 Männer hatten sich versammelt
zu gründen das Vivarium.

Sie hielten Rat und sprachen weise.
Sie waren  emsig und  nicht faul
und einer aus dem kleinen Kreise
war, wie Sie wissen, unser Crauel.

Kein Wunder, dass bei seinen Gaben
sie ihn auf's Korn genommen  haben
und, da er sich auch sonst bewährte,
man mit dem Vorsitz ihn beehrte.

Da dieser in den besten Händen,
so kamen neue Interessenten.
Und so begann im Lauf der Zeiten
bald der Verein sich auszuweiten.

Es kamen oftmals nette Leute,
die dann, zur allgemeinen Freude
sehr gern zur Mitgliedschaft bereit;
dabei auch meine Wenigkeit.

Auch Heisterkamp kam wenig später
und dieses Mitglied brauchten wir,
denn erstens zahlt er pünktlich Beitrag
und zweitens spielte er Klavier!

Willkommen war zu jeder Zeit
auch uns're holde Weiblichkeit.
Sie schafft, wie ich hier gern erkläre,
die angeregte Atmosphäre!

So fanden hier mit Herz und Hand
die Menschen sich aus jedem Stand.
Partei und Glaube störten nie
die allgemeine Harmonie.

Jedoch war das Aquarium
in diesem frühen Stadium
noch mangelhaft und primitiv
was unter diesem Namen lief.

Wenn man auch gern vom Becken schwärmte!
Die Heizung machte wenig Spaß.
Womit man seine Fische wärmte,
war Spiritus und höchstens Gas.

Elektro-Strom war damals teuer
und auch nicht  überall bereit.
Für die Beleuchtung uns'rer Becken
benutzte man die Tageszeit.

Und die Chemie -ich sag's nicht gerne-
lag damals uns noch  etwas ferne.
Man war -soll ich mich dessen schämen-
nicht so belastet mit Problemen.

Was wusste man von „ph-Werten“?!
Von Wasserhärte sprach man nie!
Was wir an Wissenschaft entbehrten
ersetzten wir durch Phantasie .

Manch Interessantes konnten wir entdecken!
Grau, lieber Freund, ist alle Theorie!
Und grün – die Pflanzen in dem Becken,
wenn gold'ner Sonnenstrahl durchleuchtet sie.

Trotz alledem, wir hatten Becken,
die brauchte man nicht zu verstecken!
Das Crauel'sche war, möcht ich betonen,
von respektablen Dimensionen.

Und drin, das war das Wunderbare,
schwamm stolz ein ganzer Schwarm Skalare.
Die ersten, die ich  je geseh'n,
es war ganz unbeschreiblich schön!

Sie schwebten vornehm hin und her
durch dieses kleine Tropenmeer!
Wir saßen still, vor Staunen stumm,
vor diesem Pracht-Aquarium.

Ansonsten möcht ich nicht vergessen,
dass wir auch  andere Interessen,
die, meistens praktischer Natur,
uns zogen hin zu Wald und Flur.

So schufen wir uns einen Garten,
aus einer Wiese, wüst und leer,
wo jetzt, das kann man ruhig sagen,
die Bäume  in den Himmel ragen.

Was war das für ein eifrig Planen,
die Arbeit packte man mit Schwung,
man brauchte niemand zu ermahnen,
so groß war die Begeisterung!

Ein Gartenhaus und viele Teiche
entstanden so, das ist bekannt!
Zu manchem schönen Sommerfeste
man gern sich dort zusammenfand.

Zweimal im Monat, in der Tat
fand im Verein 'ne Sitzung statt.
Wie sie erfolgreich zu gestalten?
Das möcht ich hier nicht vorenthalten.

Zunächst kam der Geschäftsbericht
und ernste Sachen, kurz und schlicht.
Verschiedenes, Liebhaberfragen,
ganz ähnlich wie in unsern Tagen.

Und dann, zum allgemeinen Spass
begann nun die Fidelitas.
Die Gläser frisch gefüllt mit Bier,
Freund Heisterkamp mußt' ans Klavier. 

Mit forschem Ton gab der Präside
dann das Kommando zu  dem Liede.
Es hallte froher Kehlen Sang,
vorzüglich klappte der Comment!

Denn der Präside immerhin,
hielt sehr auf strenge Disziplin.
Sollt jemand sich rebellisch zeigen,
ließ er ihn in die Kanne steigen.

Nicht, dass wir ihn deswegen  hassten,
oh nein, die Stimmung stieg enorm,
der Heisterkamp schlug in die Tasten
und alle waren groß  in Form.

So klangen froh  und  immer wieder
die altbekannten heiter'n Lieder,
als wir dann endlich Schluss gemacht,
da war es meistens Mitternacht!

Doch zog es uns  noch manches Mal
in ein intimeres Lokal,
wo man vergnügt noch stundenlang
das Tanzbein und den Becher schwang!

So fand ich auf dem Heimweg dann,
dass mich der helle Morgen grüßte
und ich die froh verlebten Stunden
mit einem Kater schrecklich büßte.

Das kommt nun heute nicht mehr vor,
es wäre ja auch skandalös,
denn der Verein ist streng solide
und ausgesprochen seriös.

So gingen hin  die schönen Jahre,
der zweite Weltkrieg brach herein.
Viel Schweres ich mir hier erspare,
zusammen schrumpfte der Verein.

Was soll ich davon viel berichten,
ein jeder hatte neue Pflichten
und war wohl deshalb ausgeschieden,
gar mancher ruhte schon in Frieden.

Doch endlich kam auch hier die Wende.
Der zweite Weltkrieg ging zu Ende,
wenn uns auch die Besatzungsmacht
noch manche Sorge hat gebracht.

Bei Waterstraat, bescheid'nerweise,
tagt der Verein in kleinem Kreise.
Mit jungen Kräften und den alten
begann er neu sich zu entfalten.

Und wiederum verging die Zeit.
Freund Crauel war immer gern bereit.
Es währte über 30 Jahr,
dass er uns Freund und Führer war.

Es traf uns damals ziemlich hart,
dass er des Amtes müde ward.
Doch  ist er uns, ich sag es ehrlich,
auch  weiterhin ganz unentbehrlich.

So mussten wir auf jeden Fall
nun schreiten zu der neuen Wahl.
Von Oehmichen wurde, wie bekannt,
der neue Vorsitz zuerkannt.

Ich  will heut nicht darüber sprechen,
er hatte seine kleinen Schwächen.
Doch hatt er, das erkenn ich an,
sehr viel für den Verein  getan.

Durch Propaganda und Bemühung
und auch durch allerlei Beziehung
bracht er manch Mitglied dem Verein
und selt'ne Fische obendrein.

Aus Gründen, die uns sehr bewegt',
sein Amt er plötzlich niederlegt.
Nur  schweren Herzens, sei bemerkt,
ersetzte ihn der Doktor Herkt.

Da uns're Kenntnis mangelhaft,
traktiert er uns mit Wissenschaft!

Wir hörten kluge Professoren
und noch verschiedene Doktoren,
viel Prominente kamen gern,
Experten auch von nah und fern!

Ein Glück für uns, dass es noch gab
den treuen Mitarbeiterstab.
Es stünde schlimm, wenn sie uns fehlten,
die Freunde Rogner, Witt und Sheldon.
Und auch Dengowski jeder kennt
als Organisationstalent!

Was sie an treuer Arbeit schafften,
das wäre sonst nicht zu verkraften.
Fürwahr, der Eifer ist zuloben,
denn das Niveau hat sich gehoben.

Doch keineswegs nur theoretisch,
der Zeit entsprechend, aber stetig,
stellt praktisch das Aquarium
sich ganz allmählich völlig um.

Groteske Felsgebirge schmücken,
fossile Wurzeln, das Gefäß,
daran kann  sich das Herz erquicken,
denn das ist wirklich zeitgemäß.

Kaum kann ich schildern es mit Worten,
vornehm gerahmt mit Edelholz
und drin die seltenen Importen-
das kann man zeigen voller Stolz!

Wie wirkt es schön in dunklen Ecken
mit Neon-Licht illuminiert.
Man glaubt nicht, wie ein  solches Becken
auch die moderne Wohnung ziert!

Nachdem ich alles dies vermerkt
nochmal zurück zu Dr. Herkt.

Nachdem vergangen ein'ge Jahr,
auch er des Amtes müde war.
So standen wir, oh welche Qual,
jetzt wiederum vor einer Wahl.

Es ist ein  Irrtum, wenn man denkt,
dass wer sich zu dem Posten drängt.
Man muss sich  schon gehörig plagen
um jemand dafür breit zu schlagen.

So war es auch, teilt man mir mit,
beim Gartenbaudirektor Schmidt.
Er ist,  wie uns sein Ruf erzählt,
ein Mann von hoher Qualität!

Unnötig ist es, zu erwähnen,
dass er sich trägt mit großen Plänen.
Mir scheint, wenn and're Leute schlafen,
pflegt er, für den Verein zu schaffen.

Und dann hat, in gewissen Fällen
Beziehung er zu allen Quellen,
daneben kennt er alle Welt
und er bekommt, was er bestellt.

Manch Vortrag hat in Wort und Bild
auch unsern Wissensdurst gestillt.
Ein Mann mit solchem reichen Wissen,
den möchten wir durchaus nicht missen.

Trotz alledem verließ ihn nie
die wunderbare Energie.
Bei seinem Reichtum an Ideen
kann uns noch Mancherlei geschehen.

Freund Schmidt mit dem Programm, dem großen,
berechtigt ohne jede Frage
wohl zu den günstigsten Prognosen
für nahe und für ferne Tage.

Ich bin am Ende meiner Verse.
Für den Verein das Allerbeste!
Er blühe, wachse und gedeihe!
Das ist mein Wunsch zum Stiftungsfeste.